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C. berichtet über ihren zweiten Sohn

Ein halbes Jahr nach unserer Ankunft in Deutschland kam unser 2. Sohn ins erste Schuljahr. Er hatte Schwierigkeiten sich zu konzentrieren. Bei Diktaten oder Rechentests hatte er in der 1. Hälfte wenige oder keine Fehler, gegen Ende häuften sie sich gewöhnlich. Ich habe nachmittags mit ihm geübt: Unter anderem haben wir uns gegenseitig aus Büchern vorgelesen und im Abstand von 2 Stunden 2 Diktate geschrieben.

Seine Lehrerin glaubte, seine Leistungen wären schwach, weil er zu Hause keine Hilfe hätte. Sie empfahl, ihn nachmittags in einen Hort zu schicken, was wir aber ablehnten, weil wir dann nicht mehr so intensiv hätten üben können. Niemand in der Grundschule dachte daran, dass eine Legasthenie vorliegen könnte. In Mathematik hatte er eine 2 oder 3.

Auf unseren Wunsch kam er im 5. Schuljahr in das Gymnasium, das seine älteren Geschwister besuchten. Seine Schwester wurde auf seine schwachen Deutschleistungen angesprochen und erklärte den Lehrern, dass ihre Mutter den ganzen Nachmittag mit ihm übe. Eine ihrer Freundinnen, die Legasthenikerin war und später das jahrgangsbeste Abitur ablegte, nannte ihr die Stelle, die sich mit der Diagnose von Rechtschreibschwäche befasst. Dort wurde festgestellt: Unser Sohn ist Legastheniker. Alle waren sehr erleichtert, er ganz besonders. Nun bekam er Förderunterricht und seine Deutschnote wurde ausgesetzt. Das war im 5. Schuljahr. Sein Selbstbewusstsein wuchs. Allerdings war er weiter hyperaktiv und hatte Konflikte mit seinen Mitschülern. Es gab viele Gespräche in der Schule. Nach dem 7. Schuljahr sollte er nicht ins 8. versetzt werden. Er musste die Schule verlassen und kam auf eine Realschule.

Eines Tages nahm an einem Mathematikwettbewerb teil und wurde 2. Stadtsieger. Sein älterer Bruder übte viel mit ihm und ging auch zu Elternabenden, was sie uns allerdings verheimlichten. Seine Schreib-Hausaufgaben erledigte er mit einem PC und es gelang ihm schließlich, die Realschule mit einer 3 in Deutsch abzuschließen.

Danach besuchte er ein berufliches Oberstufengymnasium, wo es mehr naturwissenschaftlichen Unterricht gab. Er schaffte sein Abitur, wobei er eine besonders gute mündliche Mathematikprüfung ablegte.

Er hat in London internationales Management studiert und mit dem „Master of Science“ abgeschlossen.